Konflikthafte Politik
Definition
Der akademische Rahmen – entwickelt von Charles Tilly, Sidney Tarrow und Doug McAdam in Silence and Voice in the Study of Contentious Politics (Cambridge, 2006) – für anhaltende kollektive Anspruchserhebungen durch gewöhnliche Menschen gegen mächtige Gegner, außerhalb der institutionellen Politik und der routinemäßigen Interessengruppenkanäle.
Er behandelt Proteste, Streiks, Unruhen und Revolutionen als ein einziges analytisches Feld: Episoden konflikthafter Aufführung, in denen zuvor nicht politisierte Akteure Ansprüche an Autoritäten stellen, die zuvor von der Routinepolitik ausgeschlossen waren. Der Band von McAdam / Tarrow / Tilly kodifiziert den Rahmen in Begriffen von Mechanismen – wiederkehrenden kausalen Pfaden wie Brokerage (Verknüpfung zuvor unverbundener Akteure), Diffusion (Verbreitung einer Kampagnenform über Raum oder Zeit), Zertifizierung (Unterstützung durch Dritte) und Radikalisierung (Verschiebung des Maßstabs oder der Intensität, oft als Reaktion auf Repression) – und Prozessen – historischen Abläufen wie Aufstand, Verschlechterung, reaktiver Koaleszenz, Brinkmanship und Expansion. [source: dynamics-of-contention]
Praktiker lesen das Rahmenwerk wegen seines diagnostischen Vokabulars (politische Gelegenheitsstruktur, Bedrohungs-/Chancenspiralen, modulare vs. autonome kollektive Handlungsrahmen) und nutzen es, um zu planen, wann und wie sie eskalieren sollen.
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