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Zusammenfassung
Keck und Sikkinks Rahmenwerk von 1998 zum Verständnis, wie inländische NGOs, internationale NGOs und Staaten grenzüberschreitend interagieren — und wie eine blockierte Kampagne im Inland durch internationale Verbündete “Bumerang” spielen kann, um Druck auf das ursprüngliche Ziel auszuüben. Vier Mechanismen: Informationspolitik, symbolische Politik, Hebelpolitik, Verantwortlichkeitspolitik.
Hauptteil
Ein transnationales Advocacy-Netzwerk ist die Sammlung relevanter Akteure, die international an einem bestimmten Thema arbeiten — inländische NGOs, internationale NGOs, soziale Bewegungen, Stiftungen, Medien, Regierungen und zwischenstaatliche Organisationen, verbunden durch gemeinsame Werte, gemeinsame Informationen und gemeinsame Strategien [source: keck-sikkink-activists-beyond-borders]. Keck und Sikkinks Buch von 1998 Activists Beyond Borders identifizierte vier politische Mechanismen, die diese Netzwerke nutzen:
- Informationspolitik — die schnelle Erzeugung, Verpackung und Verbreitung von Informationen, die sonst nicht die inländische Öffentlichkeit oder politische Entscheidungsträger erreichen würden. Die Informationen werden oft von glaubwürdigen, professionalisierten internationalen NGOs produziert und als Expertenwissen präsentiert [source: keck-sikkink-activists-beyond-borders].
- Symbolische Politik — die Darstellung von Themen auf eine Weise, die mit gemeinsamen Prinzipien in Resonanz steht und durch die symbolische Macht der Ansprüche des Netzwerks Hebelwirkung erzeugt. Naming-and-shaming-Kampagnen sind das kanonische Beispiel [source: keck-sikkink-activists-beyond-borders].
- Hebelpolitik — die Fähigkeit des Netzwerks, mächtige Akteure (Staaten, zwischenstaatliche Organisationen, große Stiftungen) aufzurufen, um Druck auf das ursprüngliche Ziel auszuüben. Hebelwirkung ist die strukturelle Fähigkeit zu schaden [source: keck-sikkink-activists-beyond-borders].
- Verantwortlichkeitspolitik — das Bemühen des Netzwerks, die Zielinstitution an öffentlich erklärte Verpflichtungen (einen Vertrag, einen Verhaltenskodex, eine Unternehmenspolitik) zu binden. Die vorherige Aussage des Ziels wird zum Hebel für zukünftigen Druck [source: keck-sikkink-activists-beyond-borders].
Das Bumerang-Muster ist die am häufigsten zitierte Behauptung des Rahmenwerks: Wenn eine inländische NGO von einem repressiven Staat blockiert wird, schwingt sie durch internationale Verbündete — der Bogen des Bumerangs — und tritt von außen wieder in die inländische Politik ein, wo internationaler Druck die Hebelwirkung erzeugt, die der Staat zuvor verweigert hatte [source: keck-sikkink-activists-beyond-borders]. Das Muster ist am sichtbarsten in Menschenrechtskampagnen gegen autoritäre Regime (die Anti-Apartheid-Bewegung; die Kampagne für die Unabhängigkeit Osttimors; die Burma-Kampagne), funktioniert aber mit geringerer Intensität in verbraucherorientierten Unternehmens-Kampagnen (z.B. Nestlé, Shell).
Das Rahmenwerk ist auch ein diagnostisches Werkzeug: Kampagnen, denen die Informationspolitik fehlt, können nicht auf die Agenda kommen; diejenigen, denen die symbolische Politik fehlt, können das Thema nicht rahmen; diejenigen, denen die Hebelpolitik fehlt, können das Ziel nicht bewegen; diejenigen, denen die Verantwortlichkeitspolitik fehlt, können den Sieg nicht sichern.
Verwendung
Entwerfen einer Kampagne, die über den nationalen Bereich hinaus eskalieren muss; Diagnose, warum eine Kampagne ins Stocken geraten ist (oft: unzureichende Hebelpolitik — das Netzwerk hat die Informationen, aber niemanden mit der Macht, darauf zu reagieren); Verständnis, warum einige Menschenrechts- und Unternehmens-Kampagnen grenzüberschreitend erfolgreich sind und andere nicht.
Beispiele
Das Rahmenwerk wird am besten durch Fallstudien aus Keck & Sikkinks eigenem Buch verstanden: die Anti-Apartheid-Kampagne (Informations- + symbolische + Verantwortlichkeitspolitik bei den Vereinten Nationen); die Kampagne für ein Verbot von Antipersonenminen (der Ottawa-Prozess; Hebelpolitik durch das IKRK + eine Koalition kleiner Staaten); die Burma-Kampagne (Bumerang-Muster durch das US/UK/EU-Sanktionsregime); die Unternehmens-Kampagnen gegen Nestlé (Informationspolitik durch den Boykott von 1977) und Shell (Brent Spar und Ogoni).
Verwandte Themen
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